Redaktionssysteme

Payload und WordPress im Vergleich

Zwei Wege, die Inhalte einer Website zu pflegen. Was das eine ist, was das andere ist, und wo die Unterschiede liegen. Eine Empfehlung steht hier nicht, welches System passt, hängt vom Projekt ab.

Arbeitsplatz am Abend, auf dem Monitor ist ein Code-Editor geöffnet
~/masdemas: Redaktionssysteme
01Einleitung

Beides sind Redaktionssysteme

Ein Redaktionssystem, oft CMS genannt, ist die Oberfläche, in der Texte und Bilder einer Website geändert werden. Ohne dass jemand eine Datei anfassen muss.

Jedes dieser Systeme besteht aus drei Teilen. In diesen drei Teilen liegt auch der Unterschied zwischen Payload und WordPress.

1

Die Eingabemaske

Der Bereich, in dem du dich anmeldest und Inhalte änderst. Felder für Überschrift, Text, Bild, Preis.

2

Die Ablage

Eine Datenbank im Hintergrund, in der die eingegebenen Inhalte gespeichert werden.

3

Die Ausgabe

Die Website, die deine Besucher sehen. Sie holt sich die Inhalte aus der Ablage.

WordPress packt alle drei Teile in ein Paket. Eingabemaske, Ablage und die öffentliche Website liegen in derselben Installation auf demselben Server.

Payload bringt nur die ersten beiden Teile mit. Die öffentliche Website wird getrennt gebaut und holt sich die Inhalte über eine Schnittstelle. Beide Teile können auf verschiedenen Servern liegen.

Für die zweite Bauweise gibt es einen Fachbegriff, der einem beim Lesen ständig begegnet: Headless CMS, auf Deutsch kopfloses Redaktionssystem. Der Kopf ist die sichtbare Website. Ein Headless CMS hat keinen, es verwaltet nur die Inhalte und gibt sie weiter. Payload ist ein solches System, WordPress in seiner üblichen Form nicht.

02System 1

Was ist WordPress?

Das meistgenutzte Redaktionssystem der Welt. Ursprünglich für Blogs gebaut, heute für fast jede Art von Website im Einsatz.

WordPress wird auf einen Webserver installiert und liefert von da an beides: die Verwaltung im Hintergrund und die Seite, die Besucher aufrufen. Das Aussehen kommt von einem Theme, zusätzliche Funktionen kommen von Plugins, also Erweiterungen, die man dazuinstalliert. Für nahezu jede Aufgabe gibt es davon bereits eine fertige, vom Kontaktformular bis zum kompletten Shop.

Auch WordPress lässt sich als Headless CMS betreiben, also nur als Verwaltung, während die Website getrennt gebaut wird. Das ist möglich, aber der Sonderfall. Im Normalfall liefert WordPress beides.

Erschienen
2003
Bauweise
Alles in einem: Verwaltung und sichtbare Website in derselben Installation
Technik
PHP und eine MySQL-Datenbank
Kosten
Die Software ist kostenlos, viele Erweiterungen sind es nicht
Läuft auf
Nahezu jedem gängigen Webhosting-Paket
Aussehen
Über ein Theme, fertig gekauft oder selbst gebaut
Funktionen
Über Plugins, meist ohne Programmierung installierbar
Typisch für
Shops, Blogs, Seiten mit vielen Beiträgen und mehreren Redakteuren
03System 2

Was ist Payload?

Ein deutlich jüngeres Redaktionssystem aus dem JavaScript-Umfeld. Es liefert die Eingabemaske und die Inhalte, aber keine fertige Website.

Bei Payload wird zuerst festgelegt, welche Inhalte eine Website überhaupt hat: eine Veranstaltung mit Datum, Ort und Preis, ein Team-Mitglied mit Foto und Funktion. Aus dieser Festlegung entsteht die Eingabemaske. Sie enthält genau diese Felder und sonst nichts.

Die Website selbst ist ein eigenes Projekt. Payload gehört damit zu den Headless-Systemen: es liefert die Inhalte, die Darstellung übernimmt jemand anders. Die Website fragt die Inhalte ab und stellt sie dar. Dadurch kann die öffentliche Seite technisch schlank bleiben, während die Verwaltung an anderer Stelle läuft.

Erschienen
Deutlich später als WordPress, in den 2020er Jahren
Bauweise
Headless CMS: nur Verwaltung, die Website entsteht getrennt davon
Technik
JavaScript und TypeScript, dazu eine Datenbank (MongoDB oder PostgreSQL)
Kosten
Die selbst betriebene Fassung ist kostenlos, es gibt zusätzlich ein kostenpflichtiges Hosting-Angebot des Herstellers
Läuft auf
Einem Server, der Node.js ausführen kann, nicht auf einfachem Webhosting
Aussehen
Bringt keins mit, die Website wird getrennt gebaut
Funktionen
Werden programmiert, es gibt kein Erweiterungs-Verzeichnis wie bei WordPress
Typisch für
Websites mit klar umrissenen Inhalten, die regelmäßig gepflegt werden
04Gegenüberstellung

Die Unterschiede der Reihe nach

Acht Themen, zu jedem einmal WordPress und einmal Payload. Wo eines der beiden im Vorteil ist, steht es dabei.

Wie die Website entsteht

WordPress

Alles in einer Installation. Theme aussuchen oder bauen, Inhalte eintragen, fertig. Alles liegt an einer Stelle.

Payload

Zwei Teile, das ist der Kern eines Headless CMS. Die Eingabemaske ist das eine Projekt, die sichtbare Website das andere. Mehr Aufwand beim Aufbau, dafür stören sich beide Teile nicht gegenseitig.

Inhalte pflegen

WordPress

Ein Editor mit Blöcken, in dem sich fast alles verschieben und umbauen lässt. Sehr frei. Genau diese Freiheit führt aber auch dazu, dass ein Layout versehentlich verrutscht.

Payload

Eine Maske mit festen Feldern für dieses eine Projekt. Weniger Möglichkeiten, dafür kann am Layout nichts kaputtgehen. Wer nur Texte und Bilder tauschen will, ist schneller fertig.

Funktionen erweitern

WordPress

Der große Vorteil. Für Shop, Newsletter, Buchung oder Mehrsprachigkeit gibt es fertige Erweiterungen, die sich ohne Programmierung installieren lassen.

Payload

Alles, was dazukommt, wird programmiert. Das dauert länger und kostet mehr, ergibt dafür genau die gewünschte Funktion ohne Beiwerk.

Wo es läuft

WordPress

Auf jedem gängigen Hosting-Paket, wie es die großen Anbieter für wenige Euro im Monat verkaufen. Umziehen ist entsprechend einfach. Wer alles im eigenen Haus behalten will, ist damit im Vorteil: das Paket liegt meist ohnehin schon da, oft zusammen mit den E-Mail-Postfächern.

Payload

Braucht einen Server, der Node.js ausführen kann, plus eine Datenbank. In der Praxis gibt es zwei Wege. Das System läuft auf meinem Server mit, oder du nimmst dafür einen eigenen kleinen Server. So oder so ist mehr Technik im Hintergrund als bei einem Hosting-Paket.

Wartung und Updates

WordPress

Kern, Theme und alle Erweiterungen wollen regelmäßig aktualisiert werden. Je mehr Erweiterungen im Einsatz sind, desto eher stört sich eine an der anderen.

Payload

Weniger bewegliche Teile, weil keine fremden Erweiterungen mitlaufen. Dafür gehört die Server-Umgebung mit gepflegt, das macht in der Regel der Dienstleister.

Sicherheit

WordPress

Weil es so verbreitet ist, wird es massenhaft automatisiert angegriffen. Die meisten Vorfälle gehen auf veraltete Erweiterungen zurück, nicht auf WordPress selbst. Mit gepflegten Updates ist der Betrieb beherrschbar.

Payload

Die öffentliche Website und die Verwaltung sind getrennt. Wer die Seite aufruft, erreicht die Eingabemaske gar nicht erst. Sicher ist das trotzdem nur, wenn Zugänge und Server sauber eingerichtet sind.

Kosten

WordPress

Der Einstieg ist günstig. Die Software kostet nichts, das Hosting wenig, viele Erweiterungen sind frei verfügbar. Laufend kommen dann Lizenzen für kostenpflichtige Erweiterungen und die Wartung dazu.

Payload

Höherer Aufwand am Anfang, weil Eingabemaske und Website gebaut werden. Danach fallen keine Lizenzen für Erweiterungen an, dafür Kosten für den Server: entweder läuft das System bei mir mit, dafür gibt es eine kleine Jahrespauschale, oder du nimmst einen eigenen kleinen Server für ungefähr 5 bis 10 Euro im Monat. Mehr dazu bei den häufigen Fragen.

Wer damit arbeiten kann

WordPress

Der stärkste Punkt. Wer WordPress kennt, findet sich sofort zurecht. Es gibt sehr viele Anleitungen auf Deutsch, und wenn der Dienstleister wechselt, findet sich schnell jemand Neues. Bei einem eingespielten Team ist das ein sehr großer Vorteil.

Payload

Kleinerer Kreis. Wer daran arbeitet, braucht Kenntnisse in JavaScript, und die Anleitungen sind überwiegend auf Englisch. Für die Redaktion spielt das keine Rolle, für die Suche nach einem Dienstleister schon.

05Kurzfassung

In zwei Sätzen zusammengefasst

WordPress

Ein Baukasten, der alles mitbringt und für fast jede Aufgabe eine fertige Erweiterung hat. Das macht ihn stark bei Shops und großen Seiten, bedeutet aber auch regelmäßige Pflege.

Payload

Ein Headless CMS, das nur die Inhaltspflege übernimmt und alles andere offen lässt. Das ergibt eine schlanke Website mit einer aufgeräumten Eingabemaske, dafür müssen beide Teile gebaut werden.

Welches der beiden Systeme zu einem Vorhaben passt, entscheidet sich an drei Fragen: Wie oft ändern sich die Inhalte, wer soll sie ändern, und welche Funktionen muss die Seite außer der Darstellung noch übernehmen. Das klären wir im Erstgespräch, bevor irgendetwas gebaut wird.

06Häufige Fragen

Häufige Fragen zu beiden Systemen

Was bedeutet Headless CMS?

Wörtlich übersetzt: kopfloses Redaktionssystem. Gemeint ist ein System, das die Inhalte einer Website verwaltet, sie aber nicht selbst anzeigt. Der Kopf, also die sichtbare Website, fehlt und wird getrennt gebaut.

Der Vorteil: dieselben Inhalte lassen sich an mehreren Stellen ausgeben, etwa auf der Website und zusätzlich in einer App. Der Nachteil: es sind zwei Dinge zu bauen statt einem.

Payload ist ein solches System. WordPress liefert im Normalfall beides selbst, lässt sich aber ebenfalls headless betreiben.

Muss ich mich zwischen den beiden entscheiden?

Nur wenn eine neue Website entsteht. Eine bestehende WordPress-Seite muss nicht umgebaut werden, damit sie weiterlaufen kann.

Die Entscheidung fällt vor dem Projektstart und hängt daran, wie oft sich Inhalte ändern, wer sie ändern soll und was die Seite sonst noch können muss.

Kann ich von WordPress zu Payload wechseln?

Ja, aber es ist ein Umzug und kein Update. Inhalte lassen sich übernehmen, die Gestaltung und die Eingabemasken werden neu aufgebaut.

Umgekehrt gilt dasselbe. Ein Wechsel des Systems bedeutet in beide Richtungen Aufwand, deshalb lohnt sich die Entscheidung am Anfang.

Ist Payload besser als WordPress?

Nein, es ist anders geschnitten. WordPress bringt Website und Redaktionssystem in einem Paket mit und hat für fast jede Aufgabe eine fertige Erweiterung. Payload bringt nur die Eingabemaske mit, die Website wird getrennt gebaut.

Wo viele fertige Funktionen gebraucht werden, etwa in einem Shop, ist WordPress im Vorteil. Wo eine schlanke Seite mit wenigen, klar definierten Inhalten entsteht, ist der getrennte Aufbau oft der ruhigere Weg.

Was kostet das eine, was das andere?

Beide Systeme sind als Software kostenlos. Die Kosten entstehen an anderer Stelle: bei WordPress oft durch kostenpflichtige Erweiterungen und laufende Updates, bei Payload durch die Einrichtung und den Server.

WordPress läuft auf einem gewöhnlichen Hosting-Paket, wie es fast jedes Unternehmen ohnehin schon hat. Zusätzliche Serverkosten entstehen dadurch in der Regel nicht.

Payload braucht einen Server, der etwas mehr kann. Dafür gibt es zwei Wege: Das System läuft auf meinem Server mit, dafür berechne ich eine kleine Jahrespauschale. Oder du nimmst einen eigenen kleinen Server, der kostet je nach Anbieter ungefähr 5 bis 10 Euro im Monat und gehört dann dir.

Was im konkreten Fall günstiger ist, hängt vom Umfang ab. Den größeren Posten macht ohnehin nicht der Server aus, sondern der Aufbau der Seite.

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