Payload und WordPress im Vergleich
Zwei Wege, die Inhalte einer Website zu pflegen. Was das eine ist, was das andere ist, und wo die Unterschiede liegen. Eine Empfehlung steht hier nicht. Welches System passt, hängt vom Projekt ab.
Veröffentlicht am , überarbeitet am · Matthias Reinders
Beides sind Redaktionssysteme
Ein Redaktionssystem, kurz CMS (Content-Management-System), speichert die Inhalte einer Website und stellt sie in einer Eingabemaske zur Bearbeitung bereit. Texte und Bilder lassen sich dort ändern, ohne den Quellcode anzufassen.
Jedes dieser Systeme besteht aus drei Teilen. In diesen drei Teilen liegt auch der Unterschied zwischen Payload und WordPress.
Die Eingabemaske
Der Bereich, in dem du dich anmeldest und Inhalte änderst. Felder für Überschrift, Text, Bild, Preis.
Die Ablage
Eine Datenbank im Hintergrund, in der die eingegebenen Inhalte gespeichert werden.
Die Ausgabe
Die Website, die deine Besucher sehen. Sie holt sich die Inhalte aus der Ablage.
WordPress packt alle drei Teile in ein Paket. Eingabemaske, Ablage und die öffentliche Website liegen in derselben Installation auf demselben Server.
Payload bringt die ersten beiden Teile mit, die Ausgabe nicht. Sie wird programmiert: eine Website, die sich die Inhalte über eine Schnittstelle holt, also über eine feste Adresse, unter der sie die gespeicherten Texte und Bilder abfragen kann. Beides kann im selben Projekt liegen oder getrennt auf zwei Servern.
Für diese Bauweise gibt es einen Fachbegriff, der beim Lesen ständig auftaucht: Headless CMS. Gemeint ist ein Redaktionssystem, das Inhalte speichert und verwaltet, sie aber nicht selbst anzeigt. Die Anzeige übernimmt ein eigenes Programm, das sich die Inhalte über die Schnittstelle holt: die Website, eine App oder ein Newsletter-Werkzeug. Alle bekommen dieselben Inhalte aus einer Quelle. Payload arbeitet so. WordPress zeigt die Inhalte selbst an, lässt sich aber ebenfalls so betreiben.
Was ist WordPress?
Das meistgenutzte Redaktionssystem der Welt. Ursprünglich für Blogs gebaut, heute für fast jede Art von Website im Einsatz.
WordPress wird auf einen Webserver installiert und liefert von da an beides: die Verwaltung im Hintergrund und die Seite, die Besucher aufrufen. Das Aussehen kommt von einem Theme, zusätzliche Funktionen kommen von Plugins, also Erweiterungen, die man dazuinstalliert. Für nahezu jede Aufgabe gibt es davon bereits eine fertige, vom Kontaktformular bis zum kompletten Shop.
Auch WordPress lässt sich als Headless CMS betreiben, also nur als Verwaltung, während die Anzeige getrennt programmiert wird. Das ist möglich, aber der Sonderfall: viele Erweiterungen sind für die eingebaute Ausgabe gemacht und greifen dann nicht mehr. Im Normalfall liefert WordPress beides.
- Erschienen
- 2003
- Bauweise
- Alles in einem: Verwaltung und sichtbare Website in derselben Installation
- Technik
- PHP und eine MySQL- oder MariaDB-Datenbank
- Kosten
- Die Software ist kostenlos, viele Erweiterungen sind es nicht
- Läuft auf
- Nahezu jedem gängigen Webhosting-Paket
- Aussehen
- Über ein Theme, fertig gekauft oder selbst gebaut
- Funktionen
- Über Plugins, meist ohne Programmierung installierbar
- Typisch für
- Shops, Blogs, Seiten, die viele fertige Funktionen brauchen
Was ist Payload?
Ein deutlich jüngeres Redaktionssystem, geschrieben in JavaScript, der Sprache, in der heute die meisten Websites gebaut werden. Es liefert die Eingabemaske und die Ablage, aber keine Darstellung. Ein Theme wie bei WordPress gibt es nicht.
Bei Payload wird zuerst festgelegt, welche Inhalte die Website hat: eine Veranstaltung mit Datum, Ort und Preis, ein Team-Mitglied mit Foto und Funktion. Aus dieser Festlegung entsteht die Eingabemaske. Sie enthält genau diese Felder und sonst nichts.
Was fehlt, ist die Darstellung. Bei WordPress übernimmt das ein Theme, das man aussucht und anpasst. Bei Payload wird die Darstellung programmiert: eine Website, die sich die Inhalte aus Payload holt und anzeigt. Beides kann im selben Projekt liegen, das ist seit Payload 3 der Normalfall. Es muss aber nicht: Über die Schnittstelle bekommen auch eine zweite Website oder eine App dieselben Inhalte. Das ist der Kern eines Headless CMS.
In der Praxis heißt das: Du trägst eine neue Veranstaltung in die Maske ein, die Website holt sie sich und zeigt sie an. Wie streng oder frei die Maske ist, wird beim Aufbau festgelegt.
- Erschienen
- Öffentlich seit Januar 2021, erste stabile Version im Juli 2022. Seit Version 3 (Ende 2024) fest mit Next.js verbunden
- Bauweise
- Headless CMS: Eingabemaske und Ablage kommen fertig, die Darstellung wird programmiert
- Technik
- JavaScript und TypeScript auf Basis von Next.js, dazu eine Datenbank (MongoDB, PostgreSQL oder SQLite)
- Kosten
- Die selbst betriebene Fassung ist kostenlos, es gibt zusätzlich ein kostenpflichtiges Hosting-Angebot des Herstellers
- Läuft auf
- Einem Server, auf dem Node.js läuft, der Laufzeitumgebung für JavaScript. Einfache Hosting-Pakete bieten das meist nicht
- Aussehen
- Kein Theme. Es gibt eine Startvorlage für die Entwicklung, kein Design zum Aussuchen
- Funktionen
- Einige Erweiterungen vom Hersteller (Formulare, SEO, Suche, Weiterleitungen), aber kein Verzeichnis zum Anklicken. Einbauen und alles Weitere wird programmiert
- Typisch für
- Websites mit klar umrissenen Inhalten, und Projekte, in denen dieselben Inhalte an mehreren Stellen gebraucht werden
Die Unterschiede der Reihe nach
Acht Themen, zu jedem einmal WordPress und einmal Payload. Wo eines der beiden im Vorteil ist, steht es dabei.
Wie die Website entsteht
Alles in einer Installation. Ein Theme wird ausgesucht oder gebaut, dann werden die Inhalte eingetragen. Verwaltung und Website liegen an einer Stelle.
Eingabemaske und Ablage kommen von Payload, die Darstellung wird programmiert. Das erfordert mehr Planung am Anfang: Erst wird festgelegt, welche Inhalte es gibt, dann entstehen Maske und Website. Dafür können mehrere Ausgaben dieselben Inhalte nutzen, etwa Website und App.
Inhalte pflegen
Ein Editor mit Blöcken, in dem sich fast alles verschieben und umbauen lässt. Wie viel Freiheit die Redaktion bekommt, lässt sich mit festen Vorlagen und Rechten einschränken. Ohne diese Einstellung ändert ein verschobener Block auch das Layout.
Eine Maske mit Feldern, die für dieses Projekt festgelegt wurden. Wie streng sie ist, wird beim Aufbau festgelegt. In der engen Form fragt die Maske nur Inhalte ab, keine Gestaltung, das Layout bleibt beim Bearbeiten unverändert. Wer nur Texte und Bilder tauschen will, ist schnell fertig.
Funktionen erweitern
Der große Vorteil. Für Shop, Newsletter, Buchung oder Mehrsprachigkeit gibt es fertige Erweiterungen, die sich ohne Programmierung installieren lassen.
Es gibt einige Erweiterungen vom Hersteller, etwa für Formulare oder SEO, aber keinen Marktplatz. Jede weitere Funktion wird vorher festgelegt und dann gebaut. Das braucht am Anfang Planung, ergibt dafür genau die gewünschte Funktion ohne Beiwerk. Bei Standardaufgaben wie einem Shop ist WordPress schneller, bei eigenen, klar umrissenen Funktionen ist der Unterschied klein.
Wo es läuft
Auf jedem gängigen Hosting-Paket, wie es die großen Anbieter für wenige Euro im Monat verkaufen. Umziehen ist entsprechend einfach. Wer alles im eigenen Haus behalten will, ist damit im Vorteil: das Paket liegt meist ohnehin schon da, oft zusammen mit den E-Mail-Postfächern.
Braucht einen Server, auf dem Node.js läuft, plus eine Datenbank. Einfache Hosting-Pakete bieten das meist nicht. In der Praxis gibt es zwei Wege: Das System läuft auf meinem Server mit, oder du nimmst dafür einen eigenen kleinen Server. In beiden Fällen kommen Aufgaben dazu, die ein Hosting-Paket fertig mitbringt: Programm, Datenbank und Server müssen eingerichtet und aktuell gehalten werden.
Wartung und Updates
Kern, Theme und alle Erweiterungen wollen regelmäßig aktualisiert werden. Bei vielen Erweiterungen aus unterschiedlichen Quellen kommt es nach Updates vor, dass zwei nicht mehr zusammenpassen und eine Funktion ausfällt.
Auch hier laufen viele Bausteine im Hintergrund, die Updates brauchen. Der Unterschied: Es gibt keine Erweiterungen, die einzeln aktualisiert werden. Die Bausteine werden zusammen aktualisiert und vor dem Aufspielen geprüft. Dazu gehört die Server-Umgebung mit gepflegt, das macht in der Regel der Dienstleister.
Sicherheit
Weil es so verbreitet ist, probieren Programme rund um die Uhr bekannte Schwachstellen an jeder WordPress-Seite aus. Die meisten Vorfälle gehen auf veraltete Erweiterungen und schwache Passwörter zurück, nicht auf WordPress selbst. Mit gepflegten Updates und einer Anmeldung in zwei Schritten ist der Betrieb beherrschbar.
Die Anmeldung liegt wie bei WordPress unter einer eigenen Adresse, lässt sich aber vom öffentlichen Teil trennen. Der Vorteil liegt woanders: Payload ist weit weniger verbreitet und steht deshalb seltener im Ziel solcher Programme, und es laufen keine fremden Erweiterungen mit eigenen Lücken mit. Sicher ist es trotzdem nur mit sauberen Zugängen und einem gepflegten Server.
Kosten
Der Einstieg ist günstig. Die Software kostet nichts, das Hosting wenig, viele Erweiterungen sind frei verfügbar. Laufend kommen dann Lizenzen für kostenpflichtige Erweiterungen und die Wartung dazu.
Mehr Planung und Entwicklung am Anfang, weil Eingabemaske und Website für das Projekt gebaut werden. Danach fallen keine Lizenzen für Erweiterungen an. Laufend bleiben die Pflege, wie bei jedem System, und der Server: entweder läuft das System bei mir mit, dafür gibt es eine kleine Jahrespauschale, oder du nimmst einen eigenen kleinen Server für ungefähr 5 bis 10 Euro im Monat. Mehr dazu bei den häufigen Fragen.
Wer damit arbeiten kann
Der stärkste Punkt. Wer WordPress kennt, findet sich sofort zurecht. Es gibt sehr viele Anleitungen auf Deutsch, und wenn der Dienstleister wechselt, findet sich schnell jemand Neues. Bei einem eingespielten Team ist das ein sehr großer Vorteil.
Kleinerer Kreis. Wer daran arbeitet, braucht Kenntnisse in JavaScript, und die Anleitungen sind überwiegend auf Englisch. Für die Redaktion spielt das keine Rolle, für die Suche nach einem Dienstleister schon.
In zwei Sätzen zusammengefasst
WordPress
Ein Baukasten, der alles mitbringt und für fast jede Aufgabe eine fertige Erweiterung hat. Das macht ihn stark bei Shops und bei Seiten, die viele fertige Funktionen brauchen. Je mehr Erweiterungen im Einsatz sind, desto mehr Updates sind zu prüfen.
Payload
Ein Headless CMS: Eingabemaske und Ablage kommen fertig, die Darstellung wird programmiert. Das ergibt eine Maske mit genau den Feldern, die gebraucht werden, und Inhalte, die auch an anderer Stelle nutzbar sind. Dafür ist am Anfang mehr Planung nötig.
Welches der beiden Systeme zu einem Vorhaben passt, entscheidet sich an vier Fragen: Was muss die Seite fertig können, etwa Shop oder Buchung? Sollen die Inhalte außer auf der Website noch woanders erscheinen? Wer pflegt und betreut die Seite später? Und wo soll sie laufen? Das klären wir im Erstgespräch, bevor irgendetwas gebaut wird.
Stand: . Die Angaben zu beiden Systemen prüfe ich bei jeder Überarbeitung neu.
Häufige Fragen zu beiden Systemen
Was bedeutet Headless CMS?
Ein Headless CMS ist ein Redaktionssystem, das Inhalte speichert und verwaltet, sie aber nicht selbst anzeigt. Die Anzeige übernimmt ein eigenes Programm, das sich die Inhalte über eine Schnittstelle holt, zum Beispiel die Website.
Der Vorteil: dieselben Inhalte lassen sich an mehreren Stellen ausgeben, etwa auf der Website und zusätzlich in einer App. Der Nachteil: Die Darstellung muss programmiert werden. Ein Theme zum Aussuchen und Anpassen wie bei WordPress gibt es nicht.
Payload ist ein solches System. WordPress liefert im Normalfall beides selbst, lässt sich aber ebenfalls headless betreiben.
Muss ich mich zwischen den beiden entscheiden?
Nur wenn eine neue Website entsteht. Eine bestehende WordPress-Seite läuft weiter wie bisher.
Die Entscheidung fällt vor dem Projektstart. Sie hängt daran, welche Funktionen die Seite fertig braucht, ob die Inhalte außer auf der Website noch woanders erscheinen sollen, wer die Seite später pflegt und betreut, und wo sie laufen soll.
Kann ich von WordPress zu Payload wechseln?
Ja, aber es ist ein Umzug und kein Update. Inhalte lassen sich übernehmen, die Gestaltung und die Eingabemasken werden neu aufgebaut.
Umgekehrt gilt dasselbe. Ein Wechsel des Systems bedeutet in beide Richtungen Aufwand, deshalb lohnt sich die Entscheidung am Anfang.
Ist Payload besser als WordPress?
Nein, es ist anders geschnitten. WordPress bringt Website und Redaktionssystem in einem Paket mit und hat für fast jede Aufgabe eine fertige Erweiterung. Payload bringt Eingabemaske und Ablage mit, die Darstellung wird programmiert.
Wo viele fertige Funktionen gebraucht werden, etwa in einem Shop, ist WordPress im Vorteil. Wo eine Seite mit klar definierten Inhalten entsteht oder dieselben Inhalte an mehreren Stellen gebraucht werden, ist Payload oft die passendere Wahl.
Was kostet das eine, was das andere?
Beide Systeme sind als Software kostenlos, und beide brauchen laufende Pflege. Die Unterschiede liegen woanders: bei WordPress kommen oft Lizenzen für kostenpflichtige Erweiterungen dazu, bei Payload die Einrichtung und der Server.
WordPress läuft auf einem gewöhnlichen Hosting-Paket, wie es fast jedes Unternehmen ohnehin schon hat. Zusätzliche Serverkosten entstehen dadurch in der Regel nicht.
Payload braucht einen Server, auf dem Node.js läuft, das bieten einfache Hosting-Pakete meist nicht. Dafür gibt es zwei Wege: Das System läuft auf meinem Server mit, dafür berechne ich eine kleine Jahrespauschale. Oder du nimmst einen eigenen kleinen Server, der kostet je nach Anbieter ungefähr 5 bis 10 Euro im Monat und gehört dann dir.
Was im konkreten Fall günstiger ist, hängt vom Umfang ab. Den größeren Posten macht ohnehin nicht der Server aus, sondern der Aufbau der Seite.
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